
Star Wars: Episode VIII: Die letzten Jedi – Wenn mehr bleibt, als nur Hype und Hate (eine Kolumne) (spoilerfrei)
Hallo zusammen,
kurz vor dem Ende der Skywalker-Saga in wenigen Tagen, hier noch einmal mein Beitrag zu dem ziemlich großen Shitstorm damals nach Episode VIII. Da nun für viele Fans des vielleicht größten Franchises der Filmgeschichte J.J. Abrams es wieder richten muss, tut es vielleicht dann doch noch einmal gut, etwas zu rekapitulieren.
Von mir wird es einen ausführlichen Review-Text irgendwann noch in diesem Jahr geben. Ich freue mich sehr auf den Film und bin super gespannt, wie die ganze Geschichte zu Ende gedacht werden soll.
Nun viel Spaß mit meinen Gedanken vor fast genau 2 Jahren !
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Beitrag vom 20.12.17
Hallo zusammen,
in diesen Tagen fühlt man sich wie in den letzten Tagen der aktuellen Staffel von Game of Thrones, so scheint es nur ein Thema zu geben, Star Wars. Wenn man ehrlich ist, hat es für mich, im Hinblick auf Filme, die letzten Tage auch nur diesen Gedanken gegeben: Wird Episode VIII die Erwartungen erfüllen können, oder nicht ?
Und schon kommen wir zu dem vielleicht schwierigsten Aspekt des Films: dies kann man einfach nicht genau sagen !
Es gibt keine gemischten Meinungen mehr, nur noch Hype und Hate
Ich habe diese Kolumne ganz gewollt in Bezug auf Hype und Hate gesetzt. Mal wieder scheint es, gerade in den sozialen Netzwerken und auf YouTube, einfach kein Chance mehr zu geben, mehrere Aspekte des Films zu erleben, die sowohl positiver als auch negaitver Natur sind. Es scheint nur noch darum zu gehen, anderen Personen den eigenen Willen aufzuzwingen, oder komplett konträr zu agieren. Ein “ich mag ihn, aber dies (…) gefällt mir nicht so” oder “ich mag ihn an sich nicht, allerdings macht er mit diesen Aspekten (…) trotzdem einiges richtig” scheint irgendwie die Mission Impossible für einige Individuen darzustellen.
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Die Gefahr des Trailers
Nun gut, kommen wir langsam mal zu dem Punkt. Generell sollte sich keiner, der auch nur irgendwie diesen Film sehen möchte, den Trailer dazu anschauen,mehr Fehler geht eigentlich nicht ! Der Trailer setzt bewusst große Fragezeichen und lässt einige Dinge komplett anders erscheinen, wenn auch nicht in Gänze. Der Trailer ist auf aller höchstem Niveau, nur wird er schon eine gewisse Beeinflussung mit sich bringen.
Spoilerfrei geht fast gar nicht
Ähnliches findet man in vielen sogenannten spoilerfreien Reviews. Es ist so schwierig, hier etwas zu beschreiben, ohne das eigentlich Gemeinte nicht nennen zu dürfen. Was bedeutet schon spoilerfrei ? Ja, vielleicht erzählt man nichts zu der Geschichte, nur findet auch hier eine gewisse, ob nun geplante oder ungeplante, Richtungsänderung statt.
Es gibt so viele verschiedene Meinungen zu diesem Film, und er polarisiert vielleicht so sehr, wie nur wenige Filme zuvor, und letztlich muss man sich ein eigenes Bild machen. Aus diesem Grund appelliere ich auch dazu, sich eben nicht im Internet, selbst was diesen Post anbelangt, Meinungen einzuholen, oder auch bei Bekannten, sondern komplett ohne Vorwissen dem Ganzen eine Chance zu geben. Wenn es am Ende das Geld nicht wert war, dann hat man zumindest diese Erfahrung mehr gemacht.
Ich konnte mir auf Twitter einfach nicht alles ausblenden und so birgen Tweets von genialen YouTubern wie “Nerdkultur”, die eine gewisse Schockiertheit erahnen lassen, eben auch eine Gefahr. Auch ein Video mit dem Titel , wieso dieser Film so scheiße sei, machen das Leben umso unangenehmer.
Ohne Witz, ich saß im Film und musste dagegen ankämpfen, mich immer zu fragen, was genau die damit meinen könnten, vielleicht sogar gerade diese eine Szene, die für mich diesen Impact einfach nicht inne hatte, oder vielleicht sogar später noch der große mögliche Story Twist ?! Dies möchte man nicht, man möchte den Film am liebsten wie ein noch unbehandeltes Blatt Papier erleben dürfen.
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Mein erstes Gefühl nach Sichten des Films
Wie zuvor beschrieben, scheint es nur noch gut und böse, nur noch schlecht und gut, nur noch Hype und Hate zu geben. Dies ist einfach nur schade.
Dieser Film ist für mich kein historisches Meisterwerk, dieser Film ist allerdings auch nicht schlecht, oder gar scheiße. Dieser Film hat seine Stärken und seine Schwächen, ähnlich wie ich es bei dem Warcraft-Film direkt danach gesehen habe. Dieser Film ist mehr als die Aneinanderreihung von Szenen. Dieser Film ist mehr als das Einfügen von knuffigen neuen Tieren. Dieser Film ist mehr als die Anzahl von schon bekannten und neuen Charakteren. Dieser Film ist einfach nur eines, !!! WICHTIG !!!.
Star Wars ist für mich immer mehr als nur der eine Film, sondern es ist immer wie eine Trilogie zu sehen. Es ist eine von Beginn an, wenn auch von unterschiedlichen Regisseuren in eine andere Richtung gebracht, durchdachte und gelenkte Abfolge von Ereignissen. Nach Episode VII, die für mich ähnlich positiv als auch negativ war, geht Episode VIII neue Wege. Diese neuen Wege haben meiner Meinung nach viel weniger mit Disney oder eine Disneyisierung (gibt es diesen Begriff überhaupt ?) zu tun, als viel mehr der Tatsache geschuldet, dass nicht J. J. Abrams nun an der Reihe ist, sondern Rian Johnson. Eben jener Johnson geht bewusst einen anderen Weg, den nicht jeder mögen oder lieben muss, den man aber akzeptieren sollte.
Nachdem ich aus dem Kino war, wurde mir erst bewusst, dass es eine wirkliche Weiterentwicklung ist. Das Festhalten an Altbewehrtem und das Loslassen, wobei wichtige Charaktere auch ihren entsprechenden verdienten Credit erhalten, ist ein ganz großer Unterschied, den scheinbar immer mehr Leute vergessen. Rian Johnson beschreibt sich selbst als großen Fan von Star Wars, und doch hat er es für sich scheinbar verstanden, dass man auch klare andere Entscheidungen treffen mag, selbst wenn diese für viele andere Zuschauer und Fans vielleicht weder verständlich noch akzeptabel erscheinen mögen.
Episode VIII geht seinen eigenen Weg, und dies ist meiner Meinung nach das größte Lob, was man dem Film aussprechen kann, ob man ihn nun mag oder nicht.
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Die Stärken von Episode VIII
(1) Episode VIII wirkt fast unabhängig
- er schließt an Episode VII an, man hat aber nicht das Gefühl, dass man Episode VII unbedingt gesehen haben muss
- vieles wird man auch verstehen, wenn man sich, so wie ich gestern, nach zwei Jahren an nur noch wenige Aspekte erinnern kann
- Episode VIII wirkt in einigen Dingen unabängig und zu Teilen auch einzigartig
(2) Es treffen alte Charaktere auf neue Charaktere, wodurch sich ein neuer Rahmen entwickelt
- auf den ersten Blick wird nicht jeder Zuschauer die neuen Charaktere mögen, vielleicht nicht einmal die Darstellung alter Charaktere
- all jene treffen jedoch, der jeweiligen Situation geschuldet, auf einander, und müssen damit auch erst einmal zurecht kommen
- man fühlt sich zu Teilen an die alte Trilogie erinnert, und kann sich dennoch dem Neuen gegenüber öffnen
(3) Es kommt zu einer größtenteils guten Weiterentwicklung der Charaktere
- in Episode VII wurden einige Charaktere zurückgeholt, andere wurden neu vorgestellt
- dennoch blieben viele Fragezeichen vorhanden
- viele dieser Fragezeichen sind, wieso auch immer, nun nicht mehr gegeben ; über das “Wie” kann man streiten, über das “Dass” nicht
- viele Anhänger von Game of Thrones freuen sich, ähnlich wie ich selbst, sehr über die Unberechenbarkeit dieser Serie
- ein solcher Hauch von Unberechenbarkeit durchzieht auch Episode VIII
(4) Eine in sich geschlossene Handlung, auch wenn einige Sub-Themen nicht unbedingt hätten sein müssen
- ich habe von Anfang bis Ende den Handlungsbogen nachvollziehen können
- es gibt so etwas wie einen roten Faden, und nur wenige Male verliert man diesen aus dem Auge
- einige Nebenaspekte hätte man anders darstellen können, vielleicht sogar müssen ; sie sind jedoch immer zielgerichtet und erfüllen damit immer einen ganz bestimmten Zweck, also niemals nur zwecklos eingefügt
(5) Der Aspekt der Macht und der schon fast philosophische Ansatz
- für mich war die Macht bis jetzt immer nur auf die Jedi ausgelegt
- dieser Film zeigt die Macht in ihrer Reinheit
- die Jedi werden nicht mehr glorifiziert, sondern fast schon entglorifziiert
- eine Legende bleibt eine Legende, nur fragt sich für wen genau
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Die Schwächen von Episode VIII
(1) Zu viel “Comic Relief”
- in diesem Film gibt es so viele ernsthafte Charaktere und Szenen
- diesen sollte man auch einfach mehr Respekt entgegenbringen
- ja Witz immer dann, wenn er zu der Szene und dem entsprechenden Charakter passt, aber nicht dann, wenn es nur Selbstzweck darstellt
- Humor ist wichtig, gerade in einem Film, der das Thema Verzweiflung teilweise perfektioniert, nur sollte man wissen, wann und weshalb
- auch wenn ich irgendwie trotzdem im ersten Moment lachen musste, es fühlte sich nicht richtig an
(2) Die Darstellungsweise an sich
- es gibt so viele richtig starke Szenen, wo mir, ohne Witz, in dem Moment die Spucke weggeblieben ist
- neben diesen beinahe epischen und historischen Szenen, gibt es jedoch auch genau das Gegenteil dazu
- wie einige Dinge, unter anderem die Aspekte der Macht, dargestellt werden, ist eher unangebracht
- vielleicht sieht es auf den ersten Blick cool aus, und macht allgemein auch Sinn, aber irgendwie fühlt es sich unnötig und einfach nicht nach “Star Wars” an
(3) Zu viel “Star Wars”, wenn man es nicht braucht
- es gibt einfach diese Momente, die scheinbar in jedem Star Wars-Film sein müssen
- dadurch dass der Zuschauer, in diesem Falle meine Person, es jedoch als Zwang versteht, wirkt es einfach “too much”
- es geht auch einmal ohne diese schon bekannten Wesen und Settings
- manchmal ist weniger einfach mehr
(4) Die Langatmigkeit, besonders im Mittelteil
- Episode VIII geht 2,5 Stunden, was ok ist, was aber nicht hätte sein müssen
- man hätte, gerade nach dem sehr guten Start und vor einem sehr guten Schluss, den Mittelteil kürzen oder umschreiben müssen
- ich weiß, dass auch hier ein wichtiger Story-Aspekt steht, den man für den Schluss benötigt, nur ändert dies wenig an der Tatsache, dass es zu langatmig wurde
- kürzer, ein wenig knackiger, mehr “on point” ; all dies hätte dem Film hier mehr gebracht
(5) Die Legacy von Episode VIII
- dadurch, dass Rian Johnson einige andere Wege geht, könnte dies nicht nur für die Story Fragezeichen mit sich bringen
- Episode IX wird nun wieder von J. J. Abrams stammen, und ob dieser diesen neuen Rahmen so begeisternd aufnehmen wird, bleibt eher fraglich
- vielleicht bereitet Johnson mit Hilfe von Episode VIII schon den Anfang der dann vierten Trilogie vor, man weiß es nicht so richtig
- fragt sich nur, ob dies dem unmittelbaren Erbe (Episode IX) und dem zukünftigen Erbe (alles danach) so viel bringen wird
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Schlussbemerkung
Was bleibt also nach dieser genaueren Betrachtung ? Ich glaube, dass man diesen Film mehrere Male schauen sollte, vielleicht sogar mit größerem Abstand. Episode VIII ist an sich ein Feuerwerk und man wird mit Informationen und Wendungen komplett bombadiert. Was man im ersten Moment als vielleicht unschön und unpassend empfindet, kann auf längere Sicht, gerade in Bezug auf einen größeren Rahmen, also so etwas wie das große Ganze, schon so viel mehr Sinn ergeben.
Episode VIII muss man sich, meiner Meinung nach, anschauen, und zwar komplett unwissend. Man sollte eben zu Beginn des Films dieses leere Blatt vor sich haben. Wenn dieses am Ende komplett ausgefüllt ist, dann liegt es an jedem Zuschauer selbst, was für Gefühle und Schlussfolgerungen bei einem selbst aufgekommen sind.
Bei mir überwiegt das Positive, was jedoch nicht ausreicht, um diesem Film eine meisterhafte Wertung zu geben. Für mich ist es eine 7,5 oder 8 von 10. Vielleicht wird sich dies in den nächsten Jahren ändern, wenn wir eben durch Episode IX dann den ganzen Rahmen der aktuellen Trilogie kennen, und so der ein oder andere Aspekt neu erstrahlen wird, oder eben nicht.
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4,5 von 5 Punkten (bei weiterer Sichtung vielleicht doch noch volle Punktzahl)
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Quelle (Bild; frei zugänglich): Pixabay

