
Meine Review zu „Green Book“ (ohne Spoiler)
Green Book (5)
bereits seit dem ersten Trailer verspürte ich eine echte Lust auf diesen so renommierten und, nicht nur aufgrund der Oscar-Verleihung in diesem Jahr, ausgezeichneten Film ; und doch kam mir schon in den ersten Minuten die Frage auf, was eigentlich die Message sein möge
sicherlich hatte ich schon so einige Kritiken gelesen bzw. gesehen, und doch hatte ich den Großteil davon zumeist vergessen, und so war ich also irgendwie auf mich selbst gestellt ; schon in den ersten Minuten des Films fühlte ich mich unwohl, schließlich erscheint einer der beiden Hauptprotagonisten, hier Tony Lip (gespielt von Viggo Mortensen), italo-amerikanischer Draufgänger inmitten der Bronx, New York City, nicht nur unfreundlich, sondern auch zu Teilen rassistisch Menschen anderer Herkunft gegenüber ; kurze Zeit danach betritt der Jazz-Pianist Don Shirley (gespielt von Mahershala Ali), ein sehr eloquentes, intellektuelles aber auch distanziertes afro-amerikanisches Musik-Genie, die Bühne
Tony Lip solle nun Don Shirley nämlich auf einer 8-wöchigen Konzertreise durch die Südstaaten der USA als Fahrer begleiten, mit einem hoffentlich erfreulichen Abschluss an Heiligabend selbst ; so fungiert ab jetzt Tony Lip, wenn auch nur am direkten Anfang, als Fahres des „Doc“, als Anspielung auf die verschiedenen Doktortitel ; ab diesem Zeitpunkt dachte ich mir, wie dies nur bitte klappen solle, da beide Personen in zwei ganz verschiedenen sozialen Welten zu Hause sind
nicht einmal New York City wirklich verlassen, kommt es dann auch so langsam zur eigentlichen Handlung, einem so etwas anderen Roadtrip, wie ich ihn in Filmen nur selten zu sehen bekommen konnte ; schließlich scheint es von nun an die Pflicht zu sein, sich den konträren „Gepflogenheiten“ nun anzupassen ; was recht früh noch harmlos erscheint, nämlich keine Schimpfwörter und keine vulgäre Sprache im weiß geprägten Metier wohlhabender Menschen, auf Tony Lip bezogen, wandelt sic nun vermehrt ; so ist es nicht nur notwendig, sich an das titelgebende „Green Book“ (eine Broschüre über Gaststätten für afro-amerikanische Reisende innerhalb der Südstaaten) zu halten, vielmehr zeigt sich für Don Shirley nun genau das, was wenig später als ein Zustand der Tradition euphemistisch ausgedrückt wird ; so ist es ihm nicht gestattet, eine ganz normale Bar zu besuchen, noch, im Anwesen, also dort, wo das Konzert mit ihm als Attraktion stattfinden soll, dieselbe Toilette wie alle gut betuchten Anwesenden zu nutzen
so wird Don Shirley auch nicht von einer Mehrheit an Bürgern als Jazz-Pianist oder Virtuose, wie es Tony Lip selbst kurz anmerkt, als er die Fähigkeiten seines Vorgesetzten erblickt, wahrgenommen, sondern nur noch als „Bimbo“ oder „Schoko-Boy“ oder auch eben Schlimmeres ; ob es nun Erniedrigung seitens der Polizei ist oder ein latenter Rassismus, dass es nicht erlaubt sei, in einem bestimmten Laden nun einen feinen Anzug zu kaufen, so kann auch sein Fahrer / Bodyguard diese „Gepflogenheiten“ nur noch schwer übersehen
wenn zu Beginn noch sehr auf Distanz und mit Vorurteilen ausgestattet, nähert er sich seinem Chef immer mehr an, indem er auch als Hinweis auf die Musik und Speisen afro-amerikanischer Bürger, von „deine Leute“ spricht ; so versucht er langsam aber sicher, ein eher freundschaftliches Verhältnis aufzubauen ; für Don Shirley selbst fühlt sich diese Reise, die er hätte verhindern können aber gezielt nicht wollte, immer noch beklemmend und unwohl an, trotz der Versuche seines Fahrers
mit der Zeit gewöhnt sich Don Shirley jedoch auch wirklich an die so schroffe Art seines Fahrers und so hilft er ihm nur zu gerne beim Verfassen von romantischen Briefen für Tony Lipps Frau ; und doch sind das die einfachen Momente, die schweren überwiegen dann meist jedoch schon
was alles so langweilig und höchst politisiert hätte werden können, wird in diesem Film jedoch eher wohltuend und freundlich ; so schlimm die Zustände auch sein mögen und so viel Abneigung hier auch gezeigt werden mag, so sehr schweißt es diese beiden so unterschiedlichen Menschen immer mehr zusammen ; was man plakativ als bloßen „Body Movie“ bezeichnen könnte, gar nicht unbedingt wertend gemeint, trifft es für mich nicht im Entferntesten
diese beiden so unfassbar starken Schauspieler überstrahlen hier einfach alles, vielleicht auch ein eher einfach gehaltenes und teilweise seichtes Drehbuch ; wenn es Don Shirley einfach überkommt und er seinen Schutzpanzer für einen Moment aufgibt, zeigt Mahershala Ali für mich eine so überragende Leistung, wie es nur wenige seiner Zunft können ; wenn man sich auch als Zuschauer anfangs noch eher distanziert und abwartend fühlt, so ändert sich dies gegen Ende des Films nur allzu sehr
auch wenn hier ja eigentlich nur diese Vergangenheit geschildert wird, die Zustände in den 1960er-Jahren, so sehr erinnert mich vieles an die überragende Serie „When they see us“ (Netflix) oder auch leider an die aktuellen Entwicklungen innerhalb der USA und auch Europas ; dieser Film schildert aus genau diesem Grund für mich nicht das, was damals war, sondern auch das, was heute ist ; ob das die echte Intention war, erscheint für mich in diesem Zusammenhang eher als unwichtig
letztlich erhofft man sich nur, dass dieser Film von vielen Leuten gesehen worden ist bzw., ähnlich wie bei mir jetzt, noch gesehen wird ; ein Meisterwerk, das ich definitiv noch öfter schauen möchte und auch werde, absolute Empfehlung meinerseits !
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Quelle (Bild; frei zugänglich): Pixabay

